Interview mit Handwerksunternehmern – Das junge Handwerk und seine Werte 2022

Cervotec-Unternehmen - Interview - Das junge Handwerk

Im Interview mit Jan Meerheim sprechen wir im Rahmen unserer Serie über sein Engagement für das junge Handwerk bei den Handwerksjunioren und den Wertewandel sowie die Generationsunterschiede im Handwerk. Er gibt uns Einblicke in sein Unternehmen und eine Einschätzung, wie sich das Handwerk in Zukunft entwickeln könnte und was er sich dafür wünscht. Dabei geht er unter anderem auch auf die Aspekte der Digitalisierung und Nachhaltigkeit ein.

Jan Meerheim über seinen Handwerksbetrieb Cervotec

Erzähle ein wenig über Dich als Person: Wer ist Jan Meerheim?

Jan Meerheim: Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zum Industriekaufmann in Münster und anschließend meinen Zivildienst gemacht. Danach habe ich angefangen, regenerative Energietechnik zu studieren – später bin ich dann aber bei der Betriebswirtschaftslehre gelandet. Meinen Abschluss habe ich mit dem Schwerpunkt Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung absolviert. Über diesen Weg war ich dann zunächst bei Volkswagen im Produktmarketing tätig, habe mich aber nach kurzer Zeit dazu entschieden, zurück nach Münster zu gehen. Dort bin ich 2011 bei meinem Vater im Betrieb eingestiegen. Im Jahr 2017 habe ich schließlich die Anteile übernommen und bin seitdem Teilhaber und Geschäftsführer von Cervotec.

Stelle Deinen Betrieb gerne kurz vor – was zeichnet Cervotec aus?

Jan Meerheim: Wir sind ein organisch gewachsener Metallbaubetrieb mit 22 Mitarbeitenden, der sich auf die Herstellung von Fahrradgaragen, Zweiradüberdachungen und Fahrradparsysteme konzentriert. Die Entwicklung von Alleinstellungsmerkmalen hat uns dazu verholfen, mit unseren Nischenprodukten schließlich die Position des deutschen Marktführers, insbesondere am Standort Münster einzunehmen. Mit der Entwicklung neuer Abstelllösungen für Zweiräder streben wir danach, unsere Kunden mit Ästhetik, Funktion und Qualität zu überzeugen.

Cervotec Jan Meerheim, Interview: Das junge Handwerk Cervotec Interview: Das junge Handwerk

Über die Arbeit der Junioren des Handwerks

Was machen die Handwerksjunioren genau?

Jan Meerheim: Ich sitze auf Bezirks- und Landesebene im Vorstand der Handwerksjunioren und gemeinsam entwickeln wir ein Netzwerk von jungen Handwerksunternehmen, die sich regelmäßig untereinander auszutauschen können. Wir bilden dabei eine Schnittstelle und agieren als „Brückenbauer“ für das junge Handwerk, die Kammern und die Politik und treten für unseren Nachwuchs in den Dialog. So versuchen wir die einzelnen Kräfte in einem Netzwerk zu bündeln und für die junge Generation einzustehen.

Das junge Handwerk und der Wertewandel innerhalb der Branche

Die Junioren des Handwerks „stehen für eine neue Generation Handwerk“. Was verstehst du darunter und wie wird das junge Handwerk geprägt?

Jan Meerheim: Grundsätzlich verstehen wir uns als Sprachrohr der jungen Handwerksunternehmen und teilen die Themen, Sorgen und Forderungen dieser Generation in die Öffentlichkeit. So ist auch der Dialog und die Kooperation unter den einzelnen Betrieben heute stärker als früher. Vor allem die Digitalisierung hat einen großen Einfluss auf den Beruf – so sind junge Handwerkerinnen und Handwerker zum Teil onlineaffiner. Alte Handwerksmeisterinnen und -Meister haben mittlerweile andere Vorstellungen von der Betriebsführung und von der Arbeit als das junge Handwerk. 

Welche Rolle spielt Digitalisierung im Handwerk und in eurem Betrieb?

Jan Meerheim: Durch den gesellschaftlichen Wandel werden digitale Prozesse auch in den Betrieben stärker vorangetrieben. Die mobile Datenerfassung und digitale Verwaltung von Buchungen, Lagerbeständen oder Rechnungen machen vieles einfacher und ermöglichen effizienteres Arbeiten. Es wird nicht mehr nur ausschließlich mit dem Zollstock, Stift und Papier zum Erfassen von Räumen gearbeitet, sondern auch mit dem Laser, synchronisiert mit dem Tablet.

Generell gibt es da aber noch viel Potenzial, auch wenn eine gewisse Grunddigitalisierung in den meisten Betrieben schon stattgefunden hat. Einzelne Betriebe sind natürlich unterschiedlich aufgestellt: Je größer das Unternehmen ist, desto digitaler ist es auch. Bei Cervotec bilden wir mittlerweile die gesamten Arbeitsprozesse digital ab. Doch es gibt auch nach wie vor Ausnahmen, nicht nur in der älteren Generation, die ohne Website oder E-Mail-Adresse durch Weiterempfehlungen überleben können.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Handwerk und in eurem Betrieb?

Jan Meerheim: Im Grunde ist das Handwerk durch ressourcenoptimiertes Arbeiten, Reparaturen und Recycling bereits ein nachhaltiger Beruf an sich. Und doch hat jedes Unternehmen darüber hinaus die Chance, seiner gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber der Kundschaft, den Mitarbeitenden und eben auch der Umwelt gerecht zu werden.

Schon seit Jahren hat Nachhaltigkeit einen sehr hohen Stellewert bei uns – und das nicht erst durch den Greenwashing-Trend. Wir setzen als ausgezeichnetes CSR-Unternehmen auf nachhaltige Betriebsprozesse und haben schon vor langer Zeit auf Biogas für unsere Heizungsanlagen und Ökostrom gewechselt. Auch unsere Fahrzeuge werden automatisch mit einer kommerziellen CO2-Kompensation ausgeglichen.

Über die Zukunft des jungen Handwerks

Was siehst du zukünftig für das junge Handwerk und was würdest du dir wünschen?

Jan Meerheim: Die Aspekte der Nachhaltigkeit und Digitalisierung haben sicherlich zunehmend einen Einfluss auf den Alltag des Handwerks. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass sich wieder mehr junge Menschen für den Handwerksberuf begeistern können. Dafür gilt es, den Generationskonflikt zu überwinden: Immer mehr Handwerkerinnen und Handwerker verlassen den Beruf und immer weniger sind übrig, die ihn noch erlernen. So gehen Angebot und Nachfrage scherenartig auseinander, was schließlich auch zum Personal- und Fachkräftemangel beiträgt. Ich hoffe, dass sich diese Schere in Zukunft wieder schließt.

So wie Jan Meerheim wünschen sich viele weitere Handwerksunternehmerinnen und -Unternehmer für das junge Handwerk und dessen Zukunft mehr Fachkräfte und Personal. Für weitere Interviews und Perspektiven zu diesem Thema könnt Ihr gerne in unseren letzten Interviews vorbeischauen. Außerdem haben wir bereits Artikel veröffentlicht, wie man Mitarbeitende, die man bereits gewonnen hat, schließlich auch langfristig binden kann. Schaut vorbei!

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Über den Autor

kim
Kim interessiert sich für das Handwerk, seitdem sie jung ist. Sie ist begeisterte Heimwerkerin, aber weiß auch, wann die Profis ans Werk müssen. Auf Mega-Handwerk.de schreibt Kim über Themen wie Frauen und Digitalisierung im Handwerk. Außerdem führt sie Interviews mit Heldinnen und Helden der Gewerke.

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