Interview mit Handwerks­unternehmerinnen – 10 Fragen an eine Raumgestalterin

Interview mit Handwerksunternehmerinnen – 10 Fragen an eine Raumgestalterin

Dass die Handwerkszunft natürlich auch für Frauen ein Traumberuf sein kann, stellt Sandra Drewes im folgenden Interview mit Handwerksunternehmerinnen unter Beweis. Dabei ist der Frauenanteil bei neuen Ausbildungsverträgen im Handwerk von knapp einem Fünftel (2019: 19,7 Prozent) definitiv noch verbesserungswürdig. 

Über ihren Beruf als Raumgestalterin – Interview mit Handwerksunternehmerinnen

Gemeinsam mit Sandra sprechen wir in unserer Serie „Interview mit Handwerksunternehmerinnen“ über ihre Laufbahn als Raumgestalterin, Herausforderungen für die Handwerksbranche und wie man mehr Frauen für eine Ausbildung begeistern kann. Wer weiß – vielleicht entpuppt sich die ein oder andere Leserin ja noch als eine unterschätze Meisterin eines Gewerks?

Wer bist Du und was ist Dein Gewerk?

Sandra Drewes: Ich bin Sandra und selbstständige Raumgestalterin im Raum Altenberge, Steinfurt und Münster. Gemeinsam mit meinen Kundinnen und Kunden überlege ich, wie wir verschiedenste Räume verschönern können.

Warum bist Du Handwerkerin geworden?

Sandra Drewes: Durch meinen Vater – der ist mit Leib und Seele Maler und hat mir schon von klein auf nahegelegt, auch in einen Handwerksberuf einzusteigen. Deswegen habe ich mit knapp 18 Jahren dann auch in dem gleichen Betrieb meine Ausbildung begonnen, wo er selbst angestellt ist.

Dabei habe ich erst gemerkt, wie schwierig dieser Beruf tatsächlich ist. Vor allem als junge Frau und Laie auf dem Gebiet war der Einstieg für mich im Umgang mit den Alt-Gesellen erstmal eine Herausforderung. Besonders geholfen hat mir in der Zeit schließlich die Zusammenarbeit mit meinem Vater, der mir die Grundlagen beibrachte. So gelang es mir, mit 21 Jahren dann auch meine Gesellenprüfung erfolgreich zu meistern.

In der Firma waren ich und eine weitere, ältere Mitarbeiterin die einzigen Frauen, in der Berufsschule waren wir dann zu dritt unter 15 Jungs – das war schon was! Allerdings hat die Konkurrenz der Geschlechter mit der Zeit immer mehr Spaß gemacht.

Was macht Dir bei Deiner Arbeit am meisten Spaß?

Sandra Drewes: Am besten gefällt mir die Selbstständigkeit, da ich mir die Aufträge komplett unabhängig einteilen kann. Dadurch kann ich meine Familie und die Arbeit optimal unter einen Hut zu bekommen.

Warum hast Du Dich in Deinem Gewerk selbstständig gemacht?

Sandra Drewes: Im Handwerk war es häufig so üblich, dass Gesellinnen und Gesellen über den Winter vorrübergehend entlassen wurden, da die Auftragslage es nicht anders zuließ. Schließlich wurde ich aber nicht wieder eingestellt, was ich zum Anlass nahm, etwas anders auszuprobieren. Nach kurzem Hin und Her habe ich gemerkt, dass Raumgestaltung und die Selbstständigkeit am besten zu mir und meiner flexiblen Arbeitsweise passen. Vor allem durch die Kombination mit meiner Nebentätigkeit als Labormitarbeiterin in der Pathologie, wo es feste Arbeitszeiten gibt.

Was nervt Dich manchmal auch etwas an der Arbeit?

Sandra Drewes: Für mich gibt es eigentlich nur Positives. Wenn ich eine Sache nennen müsste, wäre das aber die Zahlungsmoral der Kundinnen und Kunden. Da fehlt leider häufig die Wertschätzung der Arbeit, wenn im Vorfeld schon verhandelt wird: „Komm, Du schaffst das doch aber auch für eins, zwei Euro weniger in der Stunde“. Das ist auch allgemein sehr üblich im Handwerk – wobei wir uns da gerade in einem Wandel befinden. Da es im Handwerk mittlerweile eigentlich in allen Gewerken eine extrem hohe Nachfrage gibt, muss man sich eine mangelnde Wertschätzung auch nicht mehr gefallen lassen.

Wo siehst Du die größten Herausforderungen für die Handwerksbranche aktuell?

Sandra Drewes: Ich glaube es ist gerade sehr schwierig, bei den ganzen Aufträgen hinterherzukommen. Das ist dann eher die Schattenseite – aktuell kann sich das Handwerk vor lauter Aufträgen eben nicht mehr retten. Hinzu kommt der Mangel an Material, Auszubildenden und Fachpersonal, der die gesamte Branche belastet. Die Kundinnen und Kunden dann auch noch in dem erwarteten Zeitraum zufriedenzustellen, ist dabei fast unmöglich. In meinem Gewerk werde ich aber glücklicherweise nicht so sehr mit diesen Herausforderungen konfrontiert.

Interview mit Handwerksunternehmerinnen – 10 Fragen an eine Raumgestalterin

Frauen im Handwerk – Interview mit Handwerksunternehmerinnen

Wie kann man aus Deiner Sicht mehr Frauen für einen Handwerksberuf begeistern?

Sandra Drewes: Vielen Männern und Frauen ist die Vereinbarkeit des Handwerksberufes mit der Familie nicht bewusst. Der zeitliche Spielraum ist ein großer Vorteil – vor allem, wenn man die Verantwortung für Projekte trägt und sich terminlich unabhängig mit der Kundschaft sowie Familie abstimmen kann. Für solche Frauen, die neben der Arbeit auch die Verantwortung für eine Familie tragen, ist das optimal.

Was sagst Du zu jemandem, der meint, eine Ausbildung im Handwerk sei nichts für Frauen?

Sandra Drewes: Grundsätzlich kann das Handwerk für Jedermann und Jederfrau der passende Beruf sein. Man muss dabei nur genau das Gewerk finden, welches individuell zu einem passt, einem liegt und Spaß macht. Dabei muss man beachten, dass sicherlich nur die wenigsten Männer und Frauen die extrem körperlich belastenden Jobs ausüben können.

Aus meiner Sicht ist der Handwerksberuf für Frauen sehr zukunftsorientiert. Ich sage meinen Töchtern immer wieder, dass die Branche auch viele Aufstiegschancen bereithält. Man muss nicht „nur“ Geselle bleiben, sondern man kann seinen Meister machen oder sich auf einen Bereich spezialisieren – und vielleicht eine eigene Firma gründen. Das würde ich jeder und jedem empfehlen.

Wie können junge Leute, insbesondere Frauen herausfinden, welche Ausbildung im Handwerk am besten passt?

Sandra Drewes: Der beste Weg ist dafür ein Praktikum. So kann man tatsächliche Einblicke in den Beruf und den Alltag gewinnen. Wenn man bereit ist, in der Zeit auch mit anzupacken und Engagement zu zeigen, findet man sicherlich einen Praktikumsgeber.

Die Zukunft des Handwerks

Was wünschst Du Dir für das Handwerk in Zukunft?

Sandra Drewes: Ich wünsche mir, dass sich etwas an den Arbeitszeiten und der Entlohnung ändert. Betriebe sollten außerdem zukünftig familienfreundlicher aufgestellt sein und ein kollegiales Verhältnis zwischen Führungsebene und Personal pflegen. Das Image des „alten“ Handwerks mit starren Hierarchien ist längst überholt.

Was denken unsere Leserinnen und Leser: Wieso ist der Frauenanteil im Handwerk noch so gering? Wie könnte man Frauen aus Eurer Sicht für eine Ausbildung begeistern? Hat euch der heutige Beitrag mit Sandra zur Serie „Interview mit Handwerksunternehmerinnen“ inspiriert? Wir sind auf Eure Meinungen und Ideen in den Kommentaren gespannt.

Ausblick – Interview mit Handwerksunternehmerinnen

Welche Berufsfelder findet ihr als Frauen besonders spannend? Seid ihr vielleicht schon als erfolgreiche Unternehmerinnen aktiv? Dann freuen wir uns von euch zu hören! Sendet uns gerne Empfehlungen, welche spannenden Persönlichkeiten wir in unserer Reihe Interview mit Handwerksunternehmerinnen noch vorstellen sollen.

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