Beliebteste Handwerksberufe 2021 für Frauen und Männer – Geschlechterklischees vs. Wirklichkeit

Erfolgreich präsentieren: 10 Tipps für Handwerksbetriebe auf Instagram

Jungs spielen nur mit Autos, Mädchen immer mit Puppen? Diese alten Klischees werden mittlerweile glücklicherweise aufgebrochen. Aber wie sieht es heutzutage in den Handwerksberufen auf? Verteilen sich hier Männer und Frauen anders, als die traditionellen Geschlechterrollen es vorschlagen? Wir haben uns die beliebtesten Handwerksberufe für Frauen und Männer 2021 nach neuen Ausbildungsverträgen aus 2020 angeschaut. Und waren hier und da doch überrascht.

Aktuell hören wir in den Medien besonders oft von Friseurinnen und Friseuren, die im Corona-Lockdown nicht ihrer Arbeit nachgehen können. Aus unterschiedlichen TV-Sendungen kennt man vor allem männliche Starfriseure. Aber machen eigentlich mehr Frauen oder Männer eine Friseurausbildung? Aktuell sind es knapp ein Drittel Männer und gut ein Drittel Frauen. Etwas unfair also, dass die berühmten Friseure meist männlich sind, oder?

Beliebteste Handwerksberufe 2021 für Frauen und Männer – die Datenlage

Wie sieht es in anderen Handwerksberufen aus? Gibt es immer noch viele Berufe, die nur von jungen Männern oder Frauen erlernt werden? Wir haben für unser Handwerksberufe-Ranking die aktuellsten Zahlen vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBP) ausgewertet. Dabei handelt es sich um die Rangliste der abgeschlossenen Neuverträge aller Ausbildungsberufe in Deutschland aus 2020.

Zuerst fällt auf, dass die drei beliebtesten Ausbildungsberufe nicht im Handwerk liegen. Es sind stattdessen erstens Kaufmann/-frau für Büromanagement, zweitens Verkäufer/-in und drittens Kaufmann/-frau im Einzelhandel Ausbildungsberuf-Ranking. An nächster Stelle kommt mit dem Beruf Kraftfahrzeugmechatroniker/-in aber schon das Handwerk ins Spiel. Wir haben in der folgenden Liste nur die Handwerksberufe aufgelistet.

Beliebteste Handwerksberufe für Frauen und Männer 2021 – das aktuelle Ranking

Wer hat sich im letzten Jahr für welche Ausbildung entschlossen und wie verteilen sich Männer und Frauen in den beliebtesten Berufen? Hier ist das Ranking der beliebtesten Handwerksberufe 2021 für Frauen und Männer. In Klammern finden sich die männlichen (m) und weiblichen (w) Anteile.

  1. Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (m = 95,4%, w = 4,6%)
  2. Elektroniker/-in (m = 97,5%, w = 2,5%)
  3. Anlagenmechaniker/-in für SHK-Technik (m = 98,3%, w = 1,6%)
  4. Tischler/-in (m = 84,4%, w = 15,6%)
  5. Friseur/-in (m = 30,5%, w = 69,5%)
  6. Mechatroniker/-in (m = 93,4%, w = 6,6%)
  7. Maler/-in und Lackierer/-in (m = 83,5%, w =16,4%)
  8. Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (m = 25,9 %, w =74,1%)
  9. Metallbauer/-in (m = 97,3 %, w = 2,7%)
  10. Zimmerer/ Zimmerin (m = 96%, w = 4%)

 

Wer wurde hier überrascht? In den traditionell eher von Männern ausgeübten Berufen tut sich teilweise schon einiges. Zum Beispiel lag beim Ausbildungsberuf Tischler/-in der Frauenanteil im Jahr 2010 bei 9,1%, mittlerweile ist er schon bei 15,6% angekommen. Bei Maler/-in und Lackierer/-in ist er immerhin von 13,% auf 16,4% angestiegen. Bei Friseur/innen ist der Frauenanteil hingegen von knapp 90% in 2010 auf heute knapp 70% zurückgegangen.

Im Jahr 2019 lag der Frauenanteil bei neuen Ausbildungsverträgen im Handwerk bei etwas unter einem Fünftel. Dabei entscheiden sich viele Frauen für kreative Handwerksberufe, wie auch die aktuellen Zahlen von Tischlerinnen und Malerinnen belegen. In den gewerblich-technischen Berufen sind Frauen demgegenüber noch weniger stark vertreten.

Beliebteste Handwerksberufe 2021 für Frauen und Männer – ein Ausblick

Sicher ist es wünschenswert, wenn künftig mehr Diversität in unterschiedlichen Handwerksberufen vorzufinden ist. Dafür gibt es mittlerweile verschiedene Initiativen von der Regierung und auch einige Firmen haben eigene Programme gestartet, um alle Geschlechter anzusprechen. Denn nicht das Geschlecht, sondern Interesse und Lernbereitschaft sind oft zentrale Faktoren beim Erfolg in der Ausbildung.

Offenheit für unterschiedliche Berufe und Ausbildungen sollten schon früh bei der Kindererziehung zuhause und im Kindergarten losgehen. Die dänische Firma Lego hat sich übrigens schon 1974 gegen einseitige Erziehung ausgesprochen, die später auch die Berufswahl beeinflussen kann:

„Der Drang, etwas zu erschaffen, ist in allen Kindern gleich. Mädchen und Jungen. […] Viele Jungs mögen Puppenhäuser [und] viele Mädchen bevorzugen Raumschiffe. […] Das Wichtigste ist es, ihnen die richtigen Materialien zu geben, damit sie erschaffen können, was immer ihnen vorschwebt.“ (Lego-Statement, 1974)

Für die Ausbildung heißt das, dass allen die Möglichkeit gegeben werden sollte, sich auszuprobieren. Selbst wenn man die einzige Frau unter 100 Männern oder umgekehrt ist. Jedes Berufsfeld kann von unterschiedlichen Perspektiven profitieren. Packen wir es an!

Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Statistisches Bundesamt

Bild: https://pixabay.com/de/photos/frau-portrait-business-frau-2759487/

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.